Im Mitgliederbrief steht: Grundsätzlich gibt es zwei Varianten, wie eine Beendigung der Insolvenz gestaltet werden kann.
1.) Gründung einer neuen AG, welche den börsennotierten Mantel der insolventen AG, einschließlich
der Namens- und Markenrechte aus der Insolvenzmasse aufkauft und den registrierten Alt-Aktionären
günstige Bezugsbedingungen für die Aktien der neuen AG anbietet. Anschließend Umbenennung der neuen
AG in einen ähnlichen Namen wie „CargoLifter“.
2.) Beendigung der Insolvenz durch Wegfall der Insolvenzgründe oder durch Insolvenzplan;
anschließend beschließt eine Hauptversammlung die Fortsetzung der Gesellschaft. Das restliche
Barvermögen, sofern vorhanden, bleibt in der Gesellschaft; die Gläubiger erhalten Besserungsscheine
als Gegenleistung für ihren formalen Forderungsverzicht. Das heißt, sie werden an zukünftigen
Gewinnen der CargoLifter AG beteiligt, bis eine bestimmte Quote ihrer ursprünglichen Forderung
erreicht ist.
Kann mal jemand für die finanztechnisch nicht so versierten Mitglieder erläutern, was das im Detail Bedeutet und welche Vor- bzw. Nachteile und sonstige Aspekte zu beachten sind
Variante 1 könnte so interpretiert werden, dass der Insolvenzverwalter seinen Job gemacht und auch den letzten Rest der CL AG an den Mann gebracht hat. Die Politik wäre es zufrieden (man muss keine Fehler zugeben). Wieder eine ‚erfolgreiche‘ Insolvenz. Ich befürchte, dass dies als ein Schlussstrich angesehen werden könnte. Was hätten wir davon, wenn die Verursacher der Insolvenz so ungestraft davon kommen. Zu dieser Variante könnte ich mich überreden lassen, wenn es von der ‚Gegenseite‘ einen dreistelligen Millionen Eurobetrag gibt. In der 2. Variante wird deutlich, dass die Insolvenz ein Fehler war (warum würde sie sonst aufgehoben). Die CL AG besteht in direkter Linie weiter. Vielleicht lassen sich dadurch auch einige Ansprüche gegenüber dem Brandenburgischen WiMi und dem Insolvenzverwalter durchsetzen. Aus diesem Grund wäre ich für die 2. Variante, denn ich glaube nicht, dass der Insolvenzverwalter und das Land Brandenburg 150 Mio. Euro auf den Tisch legen werden. Dann soll auch die Öffentlichkeit in aller Deutlichkeit erfahren, wer Mist gebaut hat. Es muss für gewisse Leute richtig peinlich werden. (Ich bin im Allgemeinen nicht so nachtragend, aber hier mache ich gerne eine Ausnahme.)
Variante 2, also der Weg über Besserungsscheine scheint mir attraktiver, da es den Interessen bzw. Risken der Aktionäre verwandter ist.
Aber wenn ich richtig verstanden habe hängt das ja davon ab ob die Gläubiger zu einem Forderungsverzicht überhaupt bereit sind.
Das lassen wir gerade vom RA Weidner untersuchen. Ich weiß bloß, dass zur Fortsetzung einer „aufgelösten“ Gesellschaft ein HV-Beschluss notwendig ist. Und für eine „arme“ AG mit 3 Mio € Vermögen (postuliere ich jetzt mal) und 70000 Aktionären wäre so eine HV schon eine gewaltige Aufgabe. Besonders dann, wenn die alle kommen.
(Da müssten wir ja glatt einen Teil des „Tropical Island Dome“ mieten… )
Ich könnte mir vorstellen dass die ILB nur unter der Voraussetzung verzichtet, dass die anderen Gläubiger auch verzichten. Andernfalls besteht sie auf ihrer (vorrangigen) Forderung und die Gläubiger bekommen gar nichts. Das erscheint mir als der einzige Weg, wie die ILB die Insolvenzbefreiung erzwingen kann (falls sie das will; aber dafür spricht zurzeit Manches. Die wollen das ewige Thema offenbar endlich vom Tisch haben. Leider nicht alle. Mal sehen, wer sich durchsetzt)
Die ILB ist ja immerhin ein Teil der politischen brandenburgischen Infrastruktur und damit, wie sie ja in der Vergangenheit bewiesen hat, auch nicht eigenständig handlungsfähig.
Ich denke, wir müßten viel stärker den Sachverhalt in die Öffentlichkeit stellen, daß die CL-AG ja schon viel mehr Steuern bezahlt hat als die ILB Fördermittel zur Verfügung gestellt hat. Daß also die CL-AG für das Land Brandenburg unterm Strich ein Gewinn gewesen ist.
Damit kämen wir imagemäßig auch von der Position weg, daß die CL-AG nur öffentliche Gelder verschleudert hat und deshalb zurecht mit der Insolvenz bestraft wurde.
Gruß
Rudi
Manchmal brauch ich etwas länger, aber ich will trotzdem meine Meinung dazu noch loswerden:
Zu 1.)
Halte ich für die schlechtere Lösung.
Erstens hieße das, das ganze Spielchen wie bei der LTA T von vorn. Ob das so erstrebenswert ist, halte ich für fraglich. Abgesehen davon war ja wohl die LTA T neben Anderem auch genau für diesen Zweck gegründet worden. Wenn schon diese Variante, dann halte ich es für sinnvoller zu versuchen die LTA T doch noch auf den richtigen Kurs zu bringen.
Hinzu kommt, das die CL AG derzeit bei einem Kurs von ca. 3,6 ct etwa 1,2 Mio. € Wert ist, wobei man davon ausgehen kann, dass der Kurs bezogen auf die heutige Basis massiv steigen wird, wenn bekannt wird, dass den Alt-Aktionären ein wie auch immer geartetes Angebot gemacht werden soll. Ich unterstelle mal, dass ein nicht unerheblicher Teil der Aktionäre kein Interesse an einer Fussion oder Übernahme mittels Aktientausch haben wird. Zumal sie vermutlich für die Aktien der neuen AG zuzahlen müßten, weil die neue AG auf das Agio angewiesen sein wird, um überhaupt arbeiten zu können. Hinzu kommt, das die neue AG dann wieder keinen am Markt ermittelten Kurs, sondern einen gesetzten Aktienpreis (Nominalwert plus Agio) haben wird, den kein Mensch überprüfen kann. D.h. man wird einen Teil der Aktien kaufen müssen, um handlungsfähig werden zu können. Das wiederum frisst einen heute nicht kalkulierbaren Teil des vermutlich mühsam eingeworbenen Agios auf.
Zu 2.)
Halte ich aus verschiedenen Gründen für die bessere Lösung, auch wenn sie viel stärker vom Wohlwollen und Mitspielen einiger inspesondere politischer Entscheidungsträger abhängt, die, wie wir zur Genüge gemerkt haben, primär andere Interessen verfolgen als wir.
Einer der wichtigsten Gründe ist der ideell-emotionale:
Der Phönix der von allein aus der Asche aufsteigt, hat nun mal viel stärkere positive Ausstrahlung und erhält mehr Vertrauen, als der Frankenstein, der aus ein paar brauchbaren Leichenteilen und viel Energie zu einer Existenz von zweifelhafter Qualität wiedererweckt wurde.
Unfair gefault am Boden liegen, wieder Aufstehen und danach dem Goliath ordentlich auf die F… hauen. Das ist der Stoff, mit dem nicht nur Hollywood Kohle macht, sondern mit dem man auch ein paar verschreckte Anleger zurückgewinnen kann und auch ein paar Politiker, die eigendlich schon immer gewußt haben, dass CL eine Gute Sache ist, vor seinen Karren spannen kann.
Das zweite ist, das ich es für einfacher halte, bei einer bestehenden juristischen Person zu bleiben. Sowohl als Anspruchsgrundlage für z. B. Schadenersatzforderungen, als auch was Verpflichtungen und den daraus resultiernenden notwendigen Verhandlungen z.B. mit Lieferanten(-gläubigern) oder Rechte wie Lizenzen und Patente angeht.